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2013

Wochenzeitung MARKT am 30.11.2013:

Lübecker Nachrichten am 29.11.2013:

Hamburger Abendblatt

27.04.13

Mein Verein ... schießt den Vogel ab

Serie: Jeden Sonnabend stellen wir einen Verein und dessen Mitglieder vor. Heute: Der ungemein vielseitige Bürgerverein Reinfeld

Von Manuela Wilk

Unter dem Motto: Was drauf steht, ist auch drin, kann man bei den meisten Vereinen bereits am Namen erkennen, worum es geht. Nicht so beim Bürgerverein Reinfeld. Unter dem Dachverein verstecken sich sieben Sparten ganz unterschiedlicher Art. Insgesamt 300 Mitglieder zählt der Verein, von denen sich einige gleich in mehreren Sparten engagieren. Engagement, genau darauf komme es an, sagt Matthias Volquardts. Er ist der Vorsitzende des Bürgervereins Reinfeld. Zusammen mit sieben anderen Vorsandsmitgliedern und den Sprechern der Sparten leitet er die Geschicke des rund 140 Jahre alten Vereins.

"Gemeinsinn, gemeinsam, für Reinfeld" sei das erklärte Motto des Vereins, sagt er. Doch nicht nur in den Sparten können sich die Mitglieder beteiligen. Der Bürgerverein selbst ist nicht weniger aktiv. Volquardts beschreibt es so: "Wir helfen und unterstützen, wo Not am Mann ist." Die Mitgliedsbeiträge wurden beispielsweise im vergangenen Jahr dafür verwendet, allen Kindern an der Matthias-Claudius-Schule ein warmes Mittagessen zu ermöglichen. Ein anderes Projekt ist die Gestaltung der städtischen Grünflächen. Der Bürgerverein spendet hier die Blumenzwiebeln.

"Die neueste Errungenschaft" des Bürgervereins wie Volquardts ihn bezeichnet, ist der Fotoclub. 2009 gegründet, treffen sich die mittlerweile 35 Hobbyfotografen jeden Monat. Fred Turowski erinnert sich noch, wie er auf einer Reise zufällig einen Reinfelder traf, der ebenfalls gern Fotos machte. Zusammen erweckten sie den Fotoclub zum Leben. Die Themen für Motive geben sie sich selbst. "Wir überlegen, was wir fotografieren wollen", sagt Mitglied Oliver Stange. Später werden die Aufnahmen in der Gruppe präsentiert und weitere Tipps gegeben. Macht sich sonst jeder allein auf die Suche nach guten Motiven, wird alle zwei Monate eine gemeinsame Fotowanderung unternommen. Die Fotografen experimentieren viel, beispielsweise mit Licht oder Rauch. Fred Turowski hat dafür ein Wasserbassin in seinem Keller.

Dort werden Hochgeschwindigkeitsaufnahmen von herabfallenden eingefärbten Tropfen gemacht. Bis alle Geräte für die Aufnahmen richtig eingestellt sind, kann schon mal eine Stunde oder mehr vergehen. Am Ende belohnen die Bilder aber für den Aufwand.

Wer sich körperlich aktiv betätigen will, ist im Tanzclub, im Natur- und Wanderclub oder bei den Freunden des Vogelschießens bestens aufgehoben. Immer mittwochs bringen Ute Rofallski und ihre beiden Kollegen Tanzwilligen Standard- und Lateinamerikanische Tänze bei. "Dazu gehören Foxtrott oder Walzer, aber auch Rumba, Mambo oder Salsa", sagt sie. Ihr Club sei aber nicht nur gut für die Bewegung, sondern "habe eine soziale Komponente", so Ute Rofallski. Immerhin zwei Paare haben in ihrem Tanzclub zueinander gefunden. Im Club gebe es keinen Leistungsdruck, jeder könne das mittanzen, wozu er Lust habe. "Es geht um die Freude am Tanzen."

Hermann Roffalski tanzt auch gern mit seiner Frau. Aber als Leiter des Natur- und Wanderclubs ist er ebenso gern in der Natur unterwegs. Der Club tauchte in der Vereinsgeschichte erstmals 1977 auf. Seit 1996 hat Rofallski schon 135 Touren gemacht, die längste umfasste 20 Kilometer. "Bei gutem Wetter kommen zwischen 20 und 35 Wanderfreunde zusammen", sagt er. An die Wanderungen an der Schwentine und durchs Naturschutzgebiet Wittmoor denkt er besonders gern zurück. "Das waren so die schönsten Touren." Viele würden den Gesundheitsaspekt beim Wandern schätzen, sagt der Clubleiter. "Andere wollen einfach etwas zusammen mit ihrem Partner unternehmen", ergänzt seine Frau.

Ebenfalls unter dem Dach des Bürgervereins organisieren sich die Freunde des Vogelschießens. "Das hat Tradition", sagt Dieter Döhring, Zweiter Vorsitzender, stolz. Bereits 1912 habe es das erste Vogelschießen für Erwachsene gegeben. Dabei wird mit einer Armbrust auf einen großen Holzvogel geschossen. Das war bis vor Kurzem nur Männern gestattet, Frauen durften sich dafür im Ringewerfen messen, sagt der Vorsitzende Diethard Bubolz. Erst 2012 wurden erstmals Frauen zum Erwachsenen-Vogelschießen zugelassen. Und prompt gewann eine Frau den Wettbewerb. "Es geht um den Spaß und darum, mit dem Geld etwas Gutes zu tun", sagt Hermann Roffalski, der neben dem Wander- und Tanzclub auch bei den Freunden des Vogelschießens aktiv ist. Alle zwei Jahre sind alle, die Lust darauf haben, zum Vogelschießen eingeladen. Fünf Schuss kosten dann drei Euro.

Der Erlös kommt jetzt dem Kinderstadtfest zugute. Bis 1999 wurde jährlich auch ein Kinder-Vogelschießen veranstaltet und finanziell unterstützt. Doch als Schulen und Eltern das nicht mehr wünschten, mussten die Clubmitglieder umdenken. Als Ersatz entstand die Idee zum Kinder-Stadtfest, sagt der Vorsitzende. Matthias Volquardts liegt diese Veranstaltung besonders am Herzen. "Wir wollen, dass alles kostenlos ist auf dem Fest und jedes Kind dabei sein kann." Alle zwei Jahre, immer drei bis vier Wochen vor den Sommerferien, stehen die jüngsten Reinfelder im Mittelpunkt. Schulen und Kindergärten sowie Sportvereine beteiligen sich mit Spielen, Ständen und natürlich bei der großen Funparade, sagt Isabell Pelk. Auf dem Festplatz gibt es dann viele Spieleangebote und eine Kinder-Weltmeisterschaft, sagt die Leiterin der Arbeitsgruppe. In drei Altersklassen werden jeweils drei Kinderweltmeister ausgezeichnet. "Aber natürlich bekommen alle, die daran teilnehmen, eine Medaille", sagt Volquardts.

Der Vorsitzende ist froh, dass das Fest immer gut besucht ist. "Aber wir wollen auch die älteren Kinder ansprechen." Die meisten seien zwischen vier und zwölf Jahre alt. Um aber die Kosten von etwa 13.000 Euro tragen zu können, seien die Organisatoren neben Spenden von Firmen und den Freunden des Vogelschießens auf die sogenannte Haussammlung angewiesen. "Viele Bürger wissen schon, wann wir sammeln kommen und halten Geld bereit. Das hat sich mittlerweile etabliert", sagt Pelk.

Neben den Kindern stehen natürlich auch die Erwachsenen Reinfelder im Fokus des Bürgervereins. Der"Runde Tisch Reinfelds Zukunft", wie die Initiative Reinfeld heißt, will "die Lebensqualität der Bürger verbessern", sagt Irmi Mussack. Sie ist die Sprecherin der Initiative. Es gibt zwölf Mitglieder, die die Arbeit koordinieren. Sie treffen sich alle zwei Monate und besprechen die Fortschritte der einzelnen Gruppen. "Wir haben beispielsweise eine Arbeitsgruppe, die sich um den Herrenteich kümmert", sagt Irmi Mussack. An dem Gewässer wurde 2011 ein Skulpturenpark angelegt, einmal um die Stadt attraktiver zu gestalten und um Kunst auszustellen.

Das Erfolgskonzept der Initiative sei die gute Vernetzung im Ort und die Ungebundenheit. "Wir sind niemandem verpflichtet und machen das, wozu wir Lust haben", sagt die Sprecherin. Die Freunde und Förderer des Heimatmuseums um Bernd Prange kümmern sich ebenfalls um etwas, das ihnen am Herzen liegt. Sie sammeln Spenden und kümmern sich um Ausstellungen im Heimatmuseum. "Wir sorgen dafür, dass sonntags die Türen für Besucher geöffnet sind." Letztendlich gehe es darum, die Stadt für die Bürger lebenswert zu gestalten und natürlich Besucher anzulocken. Matthias Volquardts sagt zur Tradition und Zielsetzung des Vereins: "Die Zeiten haben sich geändert, aber die Anliegen für die Bürger nicht."